Gestärkt aus der Krise hervorgehen

In den letzten Wochen sind vermehrt Fortbildungen in Form von Webinaren durch verschiedenste Firmen und Organisationen angeboten worden. Ziel ist es zumeist, den Kontakt zu Geschäftspartnern zu erhalten und zu stärken oder auch potentielle Kunden anzusprechen und zu gemeinsamen Gedankengängen und Erfahrungsreisen einzuladen.

Boris Grundl, ein besonders krisenerprobter Referent

Ein besonders interessantes Webinar, das ich in der vergangenen Woche miterleben durfte, möchte ich hier einmal kurz skizzieren. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte das Münsterland-Team des BVMW (Bundesverband mittelständische Wirtschaft), dem inzwischen etwa 1.000 Mitgliedsunternehmen angehören. Der Referent Boris Grundl ist ein Experte in der Krisenbewältigung, denn er sitzt seit einem Sportunfall im Rollstuhl. Seine Historie ist die Grundlage seiner Botschaft an die Zuhörerschaft: „Die Krise als Chance begreifen und an dieser Herausforderung wachsen“. Selbiges hat er nach seinem lebensverändernden Unfall getan, die Situation angenommen und zum Anlass genommen, sein Leben von Grund auf zu verändern und, im Nachherein betrachtet, zu verbessern.

Die mentale Haltung bestimmt den Umgang mit der Krise

Die Krise, die durch das neuartige Coronavirus hervorgerufen wurde, bedingt die unausweichliche Veränderung sämtlicher Lebensbereiche aller Menschen auf dieser Erde. Damit ist diese Krise ein sehr einzigartiges Ereignis, das alle zum Umdenken und Reagieren zwingt. Das Virus betrifft alle Kontinente und Länder, alle Gesellschaftsschichten und alle Lebensbereiche – Job und Familie, Schule und Kitas, Großkonzerne und kleine Firmen, Kunst, Kultur und Sport, Altenheime, Krankenhäuser – also ohne Ausnahme unser gesamtes Alltagsleben. Somit ist wirklich jeder Einzelne betroffen und muss sich mit der Situation auseinandersetzen. Eine hinderliche mentale Haltung dabei ist der Widerstand und das Ignorieren oder gar Abstreiten der Gefahr. Diese Haltung entsteht und geht einher mit Angst und Unsicherheit, was zu Beginn aufgrund mangelhafter Informationslage eine sehr weit verbreitete Gemütslage war. Mit zunehmender Kenntnis der medizinischen Hintergründe wuchs und wächst die Stabilisierung und mit ihr die Hoffnung, welche eine gute und förderliche Grundhaltung ist, die Menschen befähigt, proaktiv und konstruktiv mit der Situation umzugehen.

Die unausweichliche Lernsituation als Chance begreifen

Diese globale Krise ist eine unausweichliche Lernsituation, die jeden von uns auf sich selbst zurückwirft. Anders als in einem künstlichen Lernumfeld wie z. B. einem Seminar, in dem die Teilnehmer oftmals mit Reaktionen wie „das kenne ich schon“ oder „das könnte man besser vermitteln“ den Blick von sich weg gerichtet halten und das Umfeld kritisieren, sind nun im realistischen, äußerst ernsten Lernumfeld die Lernenden gezwungen, auf sich selbst zu schauen. Fragen wie „Was bedeutet das nun für mich persönlich?“ oder „Wie kann ich in dieser Situation bestehen?“ sind unabdingbar geworden. Hierin liegt gleichzeitig die große Chance, denn mit der Beantwortung dieser Fragen beginnt das Wachstum, die Weiterentwicklung und der Schritt in eine tragfähige Zukunft. Ein „wie vorher“ wird es niemals wieder geben, denn auch wenn die Krise überstanden ist, wird die Welt sich verändert haben. Und das ist gut so! Das Virus zeigt uns täglich die Schwachstellen des Systems auf – angefangen von den miserablen Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals über die Abhängigkeit von chinesischen pharmazeutischen Zulieferern bis hin zur unmenschlichen Unterbringung von ausländischen Lohnarbeitern, die für deutsche Subunternehmen arbeiten.

Von der unbewussten Inkompetenz zur unbewussten Kompetenz

Während die einen mit großem Elan und Tatendrang auf solch einschneidende Veränderungen reagieren, verharren die anderen lange in einer Art Starre und versuchen, Widerstand zu leisten, indem sie sich dem Neuen mit aller Macht verschließen. Oft fällt den Betroffenen ihre realitätsverweigernde und destruktive Haltung selbst nicht auf, denn es handelt sich meist um eine unbewusste Inkompetenz. Nach der Lerntheorie ist es hier sehr ratsam, basierend auf einer wohlwollenden, sachlichen und konstruktiven Feedbackkultur die unbewusste Inkompetenz einfühlsam zu thematisieren. Nur so kann daraus eine bewusste Inkompetenz werden, wodurch in der Folge ein Lernprozess und die Entstehung einer bewussten Kompetenz in Gang gesetzt werden. Mit wachsender Routine entwickelt sich daraus dann langfristig eine unbewusste Kompetenz. Die Basis für jegliche Feedbackkultur in gesellschaftlichen Umfeldern, sei es in der Firma im Kollegenkreis, im Freundes- oder Bekanntenkreis oder in der Familie ist gegenseitiges Vertrauen. Wie schon bei Kindern wird ein effektives Lernen durch eine stabile, gesunde Vertrauensbasis in sich selbst und andere stark gefördert.

Leidenschaft für Veränderung mobilisiert ungeahnte Energien

Zuletzt wurden im Webinar die Themen Motivation und die damit in Verbindung stehenden Energieniveaus angesprochen. Hierzu zeigte der Referent die mentalen Phasen eines Veränderungsprozesses auf. Beginnend bei der Verdrängung über die Suche nach einem Schuldigen und den entsprechenden Schuldzuweisungen wird in der Regel zunächst alles von sich gewiesen. Nach dem Motto „Das hat mit mir rein gar nichts zu tun“ wird die Veränderung, die erforderlich wäre, zunächst nicht vollzogen. Leider gibt es zahlreiche Beispiele, in denen Menschen dieses Stadium nicht überwinden. In der nächsten Phase erlangt das Individuum die Einsicht, dass die Veränderung doch etwas mit ihm zu tun hat. Es folgen Selbstzweifel und Selbstvorwürfe nach dem Motto „Warum habe ich das nicht vorausgesehen und mich früher darauf vorbereitet?“, möglicherweise verbunden mit Scham über die eigene Unzulänglichkeit. Danach findet sich der Betroffene meist mit der veränderten Situation ab und reagiert pflichtbewusst, aber resigniert: „Da müssen wir dann jetzt wohl durch.“ In dieser Haltung steckt nur ein geringes Energieniveau, nicht mehr als unbedingt nötig. Das eigentlich erstrebenswerte Stadium, das einher geht mit einem hohen Maß an Energie, Kreativität und Innovationskraft ist die innere Haltung der Verantwortung. Hier macht der Betroffene sich die Situation zu eigen, entwickelt, angetrieben von Leidenschaft und Liebe für den neuen Zustand, Ideen für die Zukunft, die im Zuge der derzeit zunehmenden Lockerungen und Möglichkeiten, auch Schritt für Schritt umgesetzt werden können.

Vom Opfer zum Sieger

Das Fazit aus der eindrucksvollen Reise durch mentale Haltungen und Lernprozesse mit Boris Grundl war eindeutig: Die Sieger dieser Krise werden diejenigen sein, die sich auf sich selbst zurückwerfen lassen, sich selbst in Frage stellen und die veränderte Situation für sich selbst zur Chefsache machen. Innovationskraft, Visionen, aber auch die kollektive Konzeptentwicklung und pragmatische Umsetzung erzielen nicht nur ein Maximum an Motivation, sondern stellen auch die Weichen, um in 10 Jahren noch im Markt bestehen zu können. Fokus auf den eigenen Circle of Influence sowie den Circle of Control sorgen dabei für einen optimierten Einsatz der eigenen Ressourcen.

Wir unterstützen Sie gern bei Ihren Erfolgsprojekten

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Literatur: https://www.bvmw.de/muensterland/news/5979/die-zeit-zu-wachsen-ist-jetzt-energie-optimal-einsetzen-1/