Künstlich hergestelltes Fleisch wird in naher Zukunft den Markt für Fleischerzeugnisse revolutionieren.

In-Vitro-Fleisch aus dem „Reagenzglas“

Fleisch aus dem „Reagenzglas“ ist für die einen ein unvorstellbarer Gedanke, für die anderen ein logischer Schritt im Zuge von fortschreitender Forschung und Entwicklung von nachhaltigen Alternativen zur Ernährung der Weltbevölkerung.
Fakt ist: Künstlich hergestelltes Fleisch wird in naher Zukunft den Markt für Fleischerzeugnisse revolutionieren. Gerade tüfteln die Visionäre daran, die Technologie aus dem Labor auf die industrielle Straße zu bekommen, um die breite Masse zu erreichen. Das funktioniert zwar nicht von heute auf morgen, aber die Schlüsselprobleme, die generell einer künstlichen Produktion im Wege standen, sind weitestgehend ausgeräumt.

Ohne Fleisch keinen Preis

Die Idee, Fleisch künstlich zu erzeugen und in großem Stil zu produzieren, reifte bei Wissenschaftlern und Idealisten zu Beginn des neuen Jahrtausends. Antrieb waren und sind bis heute ethische, ökologische und wirtschaftliche Belange. Salopp gesagt soll die Methode die Massentierhaltung überflüssig machen, dadurch das Klima retten – Geld spielt natürlich auch eine Rolle. Zum ersten Mal greifbar wurde das Vorhaben im Jahr 2013 als Mark Post von der Universität Maastricht den ersten, im Labor produzierten Burger medienwirksam präsentierte. Dieser Meilenstein bestätigte die Machbarkeit der Vision. Seit diesem Moment schreitet die Entwicklung rasch voran und die Technologie wird derzeit zur Marktreife getrieben. Der oft limitierende Faktor Kapital spielt dabei keine Rolle, denn an zahlungskräftigen Investoren à la Bill Gates mangelt es nicht.

Beispiele für den Fortschritt seit 2013:

  • Für die Produktion benötigen die Wissenschaftler eine Nährlösung, in der das Fleisch wachsen kann. Anfangs wurden Bestandteile dafür aus dem Uterus einer trächtigen Kuh gewonnen, was aus ethischer Sicht natürlich keinen Fortschritt darstellt. Heute kann das Fleisch gänzlich ohne diesen tierischen Zusatz in der Nährlösung gezüchtet werden.
  • Der Geschmack der ersten Erzeugnisse hielt sich aufgrund des fehlenden Fettanteils in Grenzen. Neuerdings ist eine Produktion von Fettzellen möglich, sodass sich das künstliche Fleischprodukt dem natürlichen geschmacks- wie auch konsistenztechnisch weiter angleicht.
  • Die Produktionskosten können mit entsprechenden Bioreaktoren und abgestimmten Produktionsverfahren enorm gesenkt werden. Kostete der erste Burger noch 250.000 $, so kann im Jahr 2022 voraussichtlich dieselbe Menge schon für 10 $ erzeugt werden. Die ersten Reaktoren hierfür befinden sich bereits im Bau.

Die Zukunft schreitet mit großen Schritten voran. Höchste Zeit also, sich zu informieren und selbst zu hinterfragen wie die eigene Position zu künstlichem Fleisch aussehen könnte. Ob wir wohl alle STEAKholder für die neue Technologie werden?

Foto von Drew Hays auf Unsplash