Es geht nicht um „Konventionell“ oder „Bio“

Das letzte Jahr war geprägt von einer ausgiebigen Trockenheit. Diese Tatsache ist an so gut wie niemandem unbemerkt vorbeigegangen. Besonders betroffen war unter anderem die Landwirtschaft und das nicht nur in Deutschland, und Dürren sind und bleiben kein Einzelfall vergangener und zukünftiger Jahre.

Auf der diesjährigen Farm & Food 2020 trafen verschiedene Akteure der Landwirtschaft zusammen, die, beheimatet in Deutschland und den USA, genau über dieses Thema und dessen Verbindung zu regenerativer Landwirtschaft diskutierten. Wir waren dabei und fassen das Wichtigste kurz zusammen:

In kurzen einleitenden Worten machte der Moderator Benedikt Bösel von Gut & Bösel darauf aufmerksam, dass viele Betriebe im Zuge der geringen Niederschläge gezwungen sind, nach neuen Richtungen Ausschau zu halten. Da liegt genau ein Begriff auf der Hand: Die regenerative Landwirtschaft.

Sie beschreibt eine Nutzungsform des Landes, welche die Verbesserung des Bodens und die Erhöhung der Biodiversität anstrebt. Anstelle Symptome bisheriger Produktionssysteme zu bekämpfen, solle vielmehr versucht werden, deren Ursachen zu verändern. Eine gleiche Meinung zeigte Michael Reber von Innovative Landwirtschaft Reber, der den Schlüssel darin sieht, die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu verbessern. Das Ganze sei jedoch nicht ohne Entlohnung machbar, eine faire Bezahlung bzw. Entschädigung und finanzielle Unterstützung sei dafür unabdingbar, sodass der Betrieb weiterhin wirtschaftlich erfolgreich sein könne. Vor allem bei Pachtanteilen von 85 % geht laut Reber kein Weg daran vorbei, die Verpächter der Flächen mit ein zu binden und gleichzeitig eine finanzielle Unterstützung während des Wechsels hin zu neuen Methoden zu gewährleisten.

Michael Reber äußerte dabei die gleiche Meinung wie Georg Goeres von Indigo. Eine Abgrenzung zwischen „Bio“ und „Konventionell“, so wie man es derzeit nicht nur in der Ladentheke vorfindet, sei der falsche Ansatz. Es ginge nicht darum, dass die Landwirtschaft der Zukunft biologisch aussieht, sondern vielmehr zeigt sich eine Lösung dazwischen als vermeintlicher „Goldweg“. Eine Position irgendwo zwischen biologisch und konventionell sei der richtige Ansatz, nach Adrian Ferrero eine Arbeit mit der Natur, statt gegen sie. Eine Spaltung der Bauern solle vermieden werden. Dazu sei eine Bewegung nötig, die von unten aus starte und in der alle zusammen kommen, so Reber, der bereits Seminare hält, an denen Landwirtinnen und Landwirte mit biologischem und konventionellem Hintergrund aus ganz Deutschland teilnehmen. Sein Wunsch ist es, einen solchen Wissenstransfer zu leisten, dass in zehn Jahren kaum noch von biologisch oder konventionell die Rede ist.

Um den Boden als Partner betrachten zu können, hat unter anderem das Unternehmen Biome Makers, dem Adrian Ferrero angehört, ein System zur Messung der Veränderungen des Ökosystems und der Auswirkungen auf die Bodenfunktionalitäten entwickelt. Durch eine Matrix erhalten Landwirtinnen und Landwirte Bodendaten, um diesen besser verstehen und mit ihm arbeiten zu können.

Inwiefern das Ganze finanziert werden könnte, deutete Louisa Burwood-Taylor von Agfunder News an: Sie stieß 2013 zum ersten Mal auf Investitionsfonds für regenerative landwirtschaftliche Methoden, dennoch außerhalb Europas. Vorreiter seien dabei die USA mit Gabe Brown und anderen Investitionsfonds. Laut Adrian Ferrero von Biome Makers, bietet die Terraton-Initiative eine Möglichkeit der finanziellen Belohnung, überwacht durch Technologien wie Satelliten. Georg Goeres von Indigo betonte, dass eine offene Diskussion über die Verwendung von Geldern stattfinden müsse, denn diese seien durch den Green Deal mit 1 Billion Dollar für den Klimaschutz und damit für die regenerative Landwirtschaft tatsächlich vorhanden. Hier bleibt ein Aspekt jedoch keinesfalls außen vor. Der Verbraucher der Lebensmittel. Er beeinflusst durch sein Konsumverhalten letztendlich die Möglichkeiten landwirtschaftlicher Methoden.