Steht die Landwirtschaft gerade erst am Anfang des digitalen Zeitalters? – Begriffe wie künstliche Intelligenz, Robotik und Sensorik sind nicht nur fester Bestandteil der heutigen Wirtschaft zur Optimierung gesamter Wertschöpfungsketten. Die Digitalisierung, mit stetig steigenden Datenmengen, ist längst nicht mehr aus dem Alltag eines Landwirtes weg zu denken.
Ob auf dem Feld durch Precision bzw. Smart Farming begleitet, oder im Stall durch automatisierte Fütterungs-, Überwachungs- oder Melksysteme unterstützt, ist der Beruf Landwirt heute schon lange nicht mehr mit dem von vor zwanzig Jahren vergleichbar. Bereits heute nutzt mehr als die Hälfte der in der Landwirtschaft Beschäftigten digitale Lösungen. Doch wie genau sehen diese aus und was erhält vielleicht in Zukunft Einzug in den Arbeitsalltag?
Jeder zweite aktuell produzierte Mittelklassenschlepper besitzt einen GPS-Empfänger. Dieses kleine, oft runde Bauteil auf dem Traktordach ermöglicht eine auf bis zu zwei Zentimeter genaue Steuerung durch Lenkhilfen und Spurführungssysteme. Überlappung ist seitdem ein Problem von gestern, die Maschine arbeitet nicht nur geografisch präzise, sondern es wird parallel auch Kraftstoff eingespart. Gleiches wird durch eine situationsgerechte Teilbreitenschaltung bei Feldspritzen oder Düngerstreuern erreicht. Hier wird nicht nur verhindert, dass Kulturen die doppelte Ladung oder gar keine Pflanzenschutzmittel erhalten, sondern auf die Geschwindigkeit angepasst kann gleichzeitig der Volumenstrom bequem und einfach geregelt werden. Umweltschonung und Einsparung von Betriebsmitteln gewinnen an Kraft. Ergänzend können schlagspezifische Bodenparameter und Wetterdaten den Einsatztermin optimieren.
Auch Drohnen, die gerne spielerisch in der Freizeit eingesetzt werden, erhalten auf dem landwirtschaftlichen Betrieb eine bedeutende Funktion. Dabei setzt heute jeder zehnte Landwirt eine Drohne ein, davon die Hälfte eigengesteuert, die andere Hälfte durch externe Dienstleister geführt. Ein Drittel dieser Landwirte spüren so Rehkitze und andere Wildtiere per Infrarot- oder Farbkamera auf dem Acker auf, ein Drittel nutzen diese zur Messung von Pflanzen- und Bodenzuständen. Der Rest verteilt mit Drohnen Nützlinge wie Trichogramma Schlupfwespen im Mais zur biologischen Schädlingsbekämpfung.

Überprüfung der digitalen Auswertung direkt vor Ort möglich


Im Stall unterstützen kleine fleißige Helfer wie Spaltenreiniger den Landwirt. Lüftungs- und Fütterungssysteme sind häufig über eine App vom Handy aus kontrollierbar. Bei einem Neukauf entscheidet sich bereits jeder zweite für ein automatisches Melksystem. Nach KTBL-Daten kann hier nicht nur eine bis zu 7 % höhere Milchmenge erzielt werden, sondern gleichzeitig Gesundheitsparameter aus der Milch analysiert werden. Verschiedenste Sensoren, verbaut in Transpondern am Halsband, als Pedometer am Fuß oder Bolus im Magen, können neben der Gesundheitsüberwachung auch durch Aufzeichnung der Lauf- und Fresszeiten beim Fruchtbarkeitsmanagement und Klauenbehandlungen helfen.
Betrachtet man die Einschätzung der Welternährungsorganisation FAO, dass bis 2050 mit einem Anstieg der Lebensmittelnachfrage von 70 bis 100 % zu rechnen ist, scheinen die modernen, oft standortangepassten und ressourcenschonenden Systeme ein guter Lösungsansatz zu sein. Gleichzeitig entstehen aber auch Sorgen der Landwirte, die Daten könnten von Dritten zum Nachteil des Berufsstandes genutzt werden oder es entstände eine Abhängigkeit zu den Unternehmen. Aspekte, wie eine Überforderung durch eine ständige technische Weiterentwicklung oder dass weniger qualifizierte Arbeitskräfte schlechter eine passende Stelle finden stehen ebenso gegen die Digitalisierung. Dass der Einsatz vorwiegend auf großen Betrieben rentabel ist, lässt zusätzlich einen beschleunigten Strukturwandel erwarten. Trotzdem: Die Nahrungsmittelsicherheit wird durch mehr Transparenz, Tierwohl und Klimaschutz gefördert.
In Zukunft entscheidet eines besonders über die Weiterentwicklung der Digitalisierung: Ein Ausbau der digitalen Infrastruktur zur Verbesserung des Datenflusses und der Speicherung wird unabdingbar sein. Die sogenannte 5G-Technik kommuniziert dabei über Cloudsysteme. So gibt es bereits heute Entwicklungen zu Schwarmtechnologien. Kleine hochautomatisierte Erntehelfer, die untereinander kommunizieren und vernetzt sind. Sie können die Saat, Bodenbearbeitung oder Unkrautbekämpfung übernehmen, werden morgens vom Landwirt mit der Logistik-Einheit zum Feld gefahren und abends wieder eingesammelt zum Laden.
Ob sich dieses System sowie viele andere Ansätze durchsetzen werden, wird sich jedoch erst in Zukunft zeigen.