Die Coronakrise und ihre Auswirkungen auf die deutschen Tierarztpraxen und -kliniken

Illustration eines Coronavirus vom CDC

Seit Wochen sitzen wir im Homeoffice, unterrichten unsere Kinder via Homeschooling und bespaßen unsere Kleinsten zuhause. Milliardenschwere Unterstützungspakete der Bundesregierung sollen Unternehmen in Deutschland vor der Insolvenz bewahren, Kurzarbeitergeld für Entlastung der Arbeitgeber sorgen. Wir haben uns gefragt, wie es den Tierarztpraxen in Deutschland in Zeiten des Shutdown geht. Wie gehen sie mit der Situation um? Arbeiten sie weiter und wenn ja, wie funktioniert das?

Die wichtigste positive Nachricht sei vorangestellt: Bereits im März 2020 erreichte der Bundesverband praktizierender Tierärzte (BpT) durch intensive politische Bemühungen beim Bundeslandwirtschaftsministerium eine Einstufung der Tierärzte als „systemrelevant“. Durch diese wichtige und grundlegende Entscheidung konnte sowohl die Not- als auch die Grundversorgung der Tiere im Klein- und Nutztierbereich aufrechterhalten werden.

Während sich im März 2020 laut einer Umfrage des BpT noch viele Tierärzte eher pessimistisch hinsichtlich Umsatzprognosen und Geschäftsentwicklungen äußerten, so entwickelten sich bereits im selben Monat die tatsächlichen Zahlen besser als zuvor angenommen und ließen vorsichtigen Optimismus zu. Über 50 % der Tierarztpraxen verbuchten im März 2020 gleiche oder sogar höhere Umsätze als im gleichen Vorjahresmonat. Bei den Nutztierpraxen waren es sogar 67 %.

Diese Entwicklung stabilisierte sich im April weiter. Es bleibt anzumerken, dass insbesondere große Praxen mit >20 Mitarbeitern sich in der Krise behaupten konnten, während kleinere Praxen und 1-Mann/Frau-Praxen deutlich öfter von Umsatzeinbußen betroffen waren und sind. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es in dieser Praxenkategorie per se einen hohen Anteil an Praxen mit <250.000,- Euro Jahresumsatz gibt, eine Umsatzgrenze, die von erfahrenen Unternehmensberatern als existenzsicherndes Minimum angesehen wird. Somit waren folgerichtig auch gerade in dieser Kategorie mehr Praxen auf staatliche Unterstützung und die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld angewiesen.

Durch sehr sorgfältig ausgearbeitete Hygienekonzepte war es den meisten Praxen in den vergangenen Monaten möglich, ihre Tätigkeit aufrecht zu erhalten, nur 1% der Praxen musste aus Quarantänegründen vorübergehend geschlossen werden. Behandlungen werden (außer in lebensbedrohlichen Notfällen) nur nach Terminvereinbarung durchgeführt, Tierbesitzer bleiben vor der Praxis und übergeben das Tier einer Helferin, die ihnen das Tier nach erfolgter Untersuchung und Behandlung wieder zurückbringt. Für manches Tier vielleicht etwas ungewohnt, aber durch einen besonders liebevollen Umgang auch mit ängstlichen Tieren ist dies sicherlich ein gangbarer Weg. Mundschutz, Händedesinfektion, bargeldlose Zahlungsabwicklung, Medikamentenlieferungen nach Hause oder Abstellvereinbarungen an „geheimen“ Orten außerhalb der Praxisinnenräume und viele weitere kleine und größere kreative Maßnahmen konnten sicherstellen, dass der Praxisbetrieb mit deutlichem Mehraufwand, aber stetig aufrechterhalten werden konnte. Tierbesitzer wogen allerdings einmal mehr ab, ob der Gang zum Tierarzt „unbedingt nötig“ oder verschiebbar war. Hier sieht man tatsächlich kaum einen Unterschied zu den Berichten vieler Humanarztpraxen oder -kliniken.

Zusammenfassend lässt sich bereits jetzt sagen, dass die ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren für Tierarztpraxen auch in der Krise neben Kreativität und Flexibilität in der Organisation des neuen Praxisablaufs auch eine stabile, gut funktionierende Kundenbeziehung und -kommunikation sind. Insbesondere Kundeninformationen über Social Media Plattformen wie Facebook und Instagram, die eigene Website, einen Google Business Account oder regelmäßige Newsletter zu den neuen Abläufen und Regeln in der Praxis während des Shutdown konnten helfen, Patientenbesitzern Sorgen und Ängste zu nehmen und einen reibungslosen Besuch zu ermöglichen. Für Fragen zu Praxismarketing und jeglichen Aktivitäten dieser Art stehen wir Tierarztpraxen aller Größen und Ausrichtungen mit unserer Marke vetmedium jederzeit gern zur Seite. Infos unter vetmedium.de oder unter 02581.92790-0

Literatur: https://www.tieraerzteverband.de/bpt/presseservice/meldungen/2020_05_05_bpt-wirtschaftsumfrage.php

Foto von CDC auf Unsplash