Am Mittwoch, den 12. Februar erfolgte der Startschuss für die BioFach in Nürnberg. Ausschließlich für Landwirte, Verarbeiter, Gastronomen und Händler veranstaltet, kamen während der Messetage etwa 3.500 Besucher zusammen, die an den Ständen mit Produkten aus der ganzen Welt in Kontakt traten und an einem spannenden Kongressprogramm teilnehmen konnten.

Plantamedium war auch dieses Jahr wieder dabei. Der Messestand der landwirtschaftlichen Rentenbank wurde mit unserer kreativen Unterstützung konzipiert und erbaut.

Nachfolgend geben wir euch eine kurze Zusammenfassung, was die Bio-Branche aktuell bewegt und welche Themen uns neben den vielen Eindrücken der bunten Produktpalette beschäftigen.

Unter dem Thema „Bio wirkt“, wurde die Weltleitmesse der biologisch produzierten Lebensmittel von der berühmten britischen Verhaltensforscherin und Umweltaktivistin Dr. Jane Goodall mit einem Vortrag eingeleitet. Dieses Jahr standen Themen wie Wasserschutz und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit sowie Artenvielfalt im Fokus. Diskutiert wurde ausgiebig über zukünftige Herausforderungen und daran angepasste Antworten und Lösungsansätze der biologischen Wirtschaftsweise.

Geht es um den Wasserschutz, reduziert Bio-Landbau den Stickstoffeintrag um 28 %. Auch der Boden dankt der biologischen Bewirtschaftungsweise mit einer deutlich besseren Fruchtbarkeit im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung: Biomasse ist im Durchschnitt zu 78 % mehr und Regenwürmer sind zu 94 % mehr auf den Flächen vertreten. Spricht man von Biodiversität, kann im Bio-Landbau ein Anstieg von 94 % hinsichtlich der Flora-Artenvielfalt und von 35 % bei Feldvögeln entnommen werden.  Doch, dass Bio nicht nur in Verbindung mit dem Ökosystem „wirkt“, und so wertvolle Ansätze für die Zukunft liefert, zeigt auch das Verhalten der Konsumenten in den vergangenen Jahren: Die letzten zehn Jahre haben sich Bio-Lebensmittel sowohl im Umsatz als auch im Marktanteil ca. verdoppelt und verzeichneten damit eine steigende Beliebtheit im Konsumentenkreis.

Währenddessen der Anteil an Bio-Lebensmitteln im Jahr 2018 etwa 5,3 % am Lebensmittelumsatz in Deutschland ausgemacht hat, interessiert uns vor allem, was die Verbraucher an der Ladentheke bewegt, „biologisch-hergestellt“ dem Konventionellen vor zu ziehen, wie oft sie diese Wahl treffen und aus welcher Altersklasse bzw. welchem schulischen Background die Konsumenten stammen.

Auf diese Fragen liefert das Ökobarometer 2019 ausgiebige Antworten. Hier handelt es sich um eine vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführten Telefonumfrage mit 1005 Teilnehmern ab 14 Jahren. Folgendes ist zu erkennen: Bislang sprechen eine faire Produktion und Regionalität für die häufigsten Gründe, sich für Bio-Produkte zu entscheiden. Parallel dazu geben 95 % der Befragten an, die artgerechte Tierhaltung als entscheidend für die Bio-Wahl anzusehen, für 93 % der Teilnehmer sind die regionale Herkunft und nahegelegene Betriebe als Gründe für den Bio-Kauf wichtig. Gleichzeitig führen Argumente wie eine optimale Frische und Qualität bzw. ein besserer Geschmack im Feld der Entscheidungsgründe für Bio. Betrachtet man die Häufigkeit des Einkaufens von Bio-Lebensmitteln, geben 9 von 10 Befragten an, zumindest gelegentlich Bioprodukte zu kaufen.

Weitere Trends sind erkennbar: Frauen greifen etwas häufiger zu Lebensmitteln aus dem Bio-Landbau. Wohnt man auf dem Land, kauft man tendenziell seltener Bio-Lebensmittel als der Verbraucher aus der Stadt. Höhere Bildungsschichten sind zwar nicht die einzigen, die Bio-Ware kaufen, dennoch tun diese es besonders häufig.

Betrachten wir das Beispiel Bio-Fleisch, fällt uns außerdem auf:  Laut BÖLN kaufen 911 von 1005 Befragten mindestens gelegentlich Bio-Produkte. Dies entspricht einem Anteil von 90,64 % der Gesamt-Befragten. 10 % von den 911 Personen, die mindestens gelegentlich Bio kaufen, d.h. 91 Konsumenten, kaufen immer Bio-Fleisch (siehe Diagramm). Vergleicht man diese Zahl mit den zuvor 1005 befragten Teilnehmern, so kaufen knapp 9 % aller anfangs Befragten immer, d.h. ausschließlich nur Bio-Fleisch.

Grafik aus der „Ökobarometer“ vom BÖLM (Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiver Landwirtschaft)

Das scheint erst einmal ein realistischer Wert zu sein. Wird anschließend mit einbezogen, dass die tatsächliche Verkaufsmenge von Bio-Fleisch je nach Verarbeitung gerade einmal 1,2 bis 1,8 % an der Gesamt-Verkaufsmenge von Fleisch am Markt ausmacht (Quelle: Welt.de), werden wir skeptisch. Diese Feststellung hieße, dass die 9 % der Gesamt-Befragten, d.h. die Personen, welche immer Bio-Fleisch kaufen, unter 2 % des gesamten Kaufes an Fleisch auf dem Markt ausmachen. Unter dem Aspekt, dass sich hinter den 2 % zusätzlich der Konsum von gelegentlich und häufig Bio-Fleisch Konsumierenden versteckt, werden die Aussagen der Umfrage zunehmend unklarer. Das zeigt uns: Entweder konsumieren die Personen, die ausschließlich Bio-Fleisch kaufen, drastisch weniger Fleisch, oder es geben viel mehr Verbraucher einen ausschließlichen Konsum von Bio-Fleisch bei der Umfrage an, was jedoch nicht der Realität entspricht.

Hier entsteht demnach eine Lücke. Das Fazit könnte lauten: Mündlich wird oft angegeben, zu Bio-Produkten, in diesem Fall Bio-Fleischwaren zu greifen, doch an der Kasse zeigt sich ein tendenziell anderes Bild: hier bleibt die Entscheidung oft beim konventionell erzeugten Produkt.  

Quellen:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/oekobarometer2019.pdf?__blob=publicationFile

https://www.welt.de/wirtschaft/article173563680/Lebensmittel-Bio-boomt-ausser-beim-Naturkostfachhaendler.html

https://www.biofach.de/de/news/presseinformationen/kongress-bio-wirkt-afbj2txytj_pireport

https://www.agrarheute.com/management/agribusiness/biofach-2020-weltmesse-fuer-bioprodukte-startet-564725