Lebensmittelproduktion ist längst eine Angelegenheit der gesamten Gesellschaft. Vor allem in Ballungszentren steigt das Interesse nach gesunden und regional erzeugten Lebensmitteln. Als Urban-Farming bekannt, entstehen auf kleinen Flächen in städtischen Räumen neue Konzepte zu nachhaltiger und ressourcenschonender Landwirtschaft. 

Dennoch: neben Gemüse und Obst zählt tierisches Eiweiß für viele zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung dazu. Fisch bildet dabei einen der nachhaltigsten Lieferanten tierischen Eiweißes. Während für 1 kg Fisch nur 1,2 bis 1,4 kg Futter eingesetzt werden müssen, verbraucht die Erzeugung von Rindfleisch mehr als das 8-fache an Futtermitteln. 

Wäre es da nicht praktisch eine Art künstliche Symbiose zwischen Fischen und Pflanzen zu erzeugen, wo Fisch und Pflanze nicht nur unter einem Dach untergebracht sind, sondern die Exkremente der Tiere als wertvoller Dünger im Gemüse- und Kräuteranbau genutzt werden können? 

Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht ekelig oder skurril an, doch ganz so abwegig ist diese Idee tatsächlich nicht. Aquaponik beschreibt eine Kombination aus Fischzucht (Aquakultur) und bodenloser Pflanzenzucht im Wasser (Hydroponik) durch einen gemeinsamen Wasser- und Nährstoffkreislauf. Seit den 1980er Jahren finden diverse Experimente und Forschungen zu dieser scheinbaren Lösung statt. 

Das Ganze funktioniert wie folgt: Das von Fischen ausgeschiedene Ammonium im Nutzwasser der Aquakultur wird in Biofiltern durch Bakterien in Nitrat umgewandelt und als Nährlösung mit passendem pH-Wert aufbereitet. Dieses kann anschließend für die Bewässerung und Düngung der Pflanzen wiederverwertet werden. Es entsteht eine Art natürlicher Stickstoffkreislauf.

gemeinsamer Wasser- und Nährstoffkreislauf von Fisch und Pflanzen

Eingesetzt werden oft Tilapien, Speisefische aus der Familie der Buntbarsche. Sie sind besonders robust und anpassungsfähig. Alternativ können auch Bach- und Regenforelle, Hecht oder afrikanischer Raubwels aufgezogen werden. Hier gilt jedoch Vorsicht! Die Kulturfische benötigen meist pH-neutrales Wasser, Pflanzen wie Tomaten, Paprika und Zucchini hingegen eher den sauren pH-Bereich. Daher fällt die Wahl nicht selten auf Salat und Kräuter, die hinsichtlich des pH-Wertes recht pflegeleicht sind. 

Tilapien, Bild von Sirawich Rungsimanop auf Pixabay

Da stellt sich die Frage, wie Pflanzen ohne Boden überhaupt zum Wachsen gebracht werden?

Hier kann sogar zwischen drei verschiedenen Systemen gewählt werden: In sogenannten Mediabehältereinheiten wachsen Salat, Tomate & Co. nach einem System der Flutung und Entwässerung, um Wurzeln und nitrifizierenden Bakterien ausreichend Sauerstoff zur Verfügung zu stellen.

Hydrokultur mit einsatz von Mediabehältereinheiten

Bei der Nährfilm-Technik werden die Wurzeln der Pflanzen dauerhaft von einem dünnen Wasserfilm umgeben, der langsam durch die gesamte Apparatur fließt.

Hydrokultur Gewächshaus mit Nährfilm-Technik, Bild von 家志 刘 auf Pixabay

Den Abschluss bilden Tiefwasserkulturen, sogenannte schwimmende Floßeinheiten. Auf mit Wasser befüllten Becken schwimmen Styroporelemente, in denen Pflanzen in Substratwürfeln eingebracht sind, die mit Wurzeln durch Löcher in der Nährlösung hängen.

Tiefwasserkultur, Bild von 41330 auf Pixabay

Aquaponik hat viele verschiedene Vorteile. Als nahezu emissionsfreies System werden hochwertige Nahrungsmittel erzeugt. Dabei wird beispielsweise nur 1/5 der Fläche wie für Tomaten im Vergleich zum Freilandanbau verbraucht. Und wassersparend ist das System auch noch! Der tägliche Frischwasserbedarf liegt dabei unter 3 %. So werden für 1 kg Tomaten statt 180 Liter nur 35 Liter verbraucht. 

Wir sind uns einig: Aquaponik ist eine spannende Sache, dessen Trend wir in Zukunft weiter verfolgen werden!